Lippstadt – Über 200 Minuten waren die Fußballer des SV Lippstadt nicht in der Lage, in der Oberliga ein Tor zu schießen. Im Heimspiel gegen Victoria Clarholz trafen sie plötzlich dreimal innerhalb von zwölf Minuten. Am Ende stand ein verdienter 3:1-Erfolg im Nachbarduell.
Oberliga Westfalen
SV Lippstadt - Victoria Clarholz 3:1 (3:0)
Um kurz nach 17 Uhr wurde in der Liebelt-Arena kräftig gejubelt. Mit dem 3:1 gegen Clarholz war der erste Saisonsieg unter Dach und Fach. Zweifellos verdient, aber zum Schluss völlig unnötig etwas wackelig. Das war den Fans im LP-Block komplett egal. Sie ließen die vor der Tribüne ausgelassen tanzenden Kicker ordentlich hochleben. Mittendrin Gentrit Muja, der in der 81. Minute nach einem Klammergriff weit in der gegnerischen Hälfte Gelb/Rot sah. Eine ziemlich blöde Aktion der Nummer 3, der ansonsten – wie alle SVer – im ersten Durchgang der Partie eine richtig starke Leistung zeigte.
Nie war der Spruch „Der Knoten ist geplatzt“ wohl treffender als gestern Nachmittag in der Liebelt-Arena. Der SV Lippstadt agierte wie aufgedreht, übernahm sofort das Kommando auf dem Rasen und ließ die Victoria nicht mal im Ansatz zur Entfaltung kommen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Gäste gleich zu Anfang eine Top-Konterchance hatten, die Wulf mit großem Einsatz gerade noch bereinigte. Danach aber ging die Partie nur noch in eine Richtung. Lippstadt mit seinem „Flexi-Angriff“, Franke und Neugebauer tauschten immer wieder die Positionen, dahinter kurbelten Kohl, Muja oder Böll an – dem war die Victoria nicht gewachsen. Clarholz wurde phasenweise schwindelig gespielt, immer wieder über die linke Angriffsseite des SV mit dem quirligen Neugebauer.
Nach ersten Chancen von Muja (5.), K. Sadeghi (8.) und Kohl (20.) zappelte der Ball „endlich“ im Netz. Über 200 Minuten hatte es das Bechtold-Team vergeblich versucht, auf die Anzeigentafel zu kommen. Dies besorgte schließlich der Kapitän höchstpersönlich, im Anschluss an eine Ecke drosch Ufuk die Kugel zum 1:0 (21.) in die Maschen. Was für eine Erlösung!
Und die schwarz-rote Angriffswelle rollte weiter: 2:0 (27.) für den SV Lippstadt nach Kohls platziertem Flachschuss und glänzender Vorarbeit von Neugebauer. Dann sogar das 3:0 (33.) durch Franke per Flugkopfball nach Flanke von Muja. Ein Tor schöner als das andere. Ein SV Lippstadt in Topform.
In der allgemeinen Euphorie schien es nur eine Randnotiz zu sein, dass SV-Keeper Struck einen Freistoß von Aygün (42.) aus dem Winkel fischte. Tatsächlich meldete sich Clarholz mit dieser Szene in der Partie an. Nach dem Wechsel waren sie plötzlich am Drücker, während sich die Gastgeber zurückzogen und praktisch nur noch verteidigten. Nur gut, dass sie mit Youngster Struck einen sicheren Rückhalt zwischen den Pfosten hatten. Der vereitelte gleich mehrmals gute Gelegenheiten der Victoria, zum Beispiel gegen Kahraman (56./64.). Beim 1:3 (74.) war er dann allerdings machtlos, als Flock völlig frei im Strafraum abschloss. Erneut Flock (82.) und Baum (93.) besaßen weitere Möglichkeiten, doch es blieb beim 3:1.
Muja flog nach einer dämlichen Aktion noch mit Gelb/Rot (81.) vom Platz und fehlt nächsten Sonntag in Bielefeld. Auch die Einwechselung von Afghanyar (90.) klappte nicht wie gewünscht, denn der Verteidiger musste eine Minute an der Seitenlinie schmoren, weil sich Kohl offenbar zu viel Zeit gelassen hatte. So war es ein erster Saisonsieg mit ein paar kleinen Schönheitsfehlern.
„Fabelhafte erste Halbzeit“
Trainermeinung von Felix Bechtold (SV Lippstadt): „Die erste Halbzeit war fabelhaft. Da gibt es keine zwei Meinungen. Clarholz konnte froh sein, dass sie nur drei Dinger bekommen haben. Aber natürlich muss selbst nach einem 3:0 auch die zweite Halbzeit bewertet werden. Die war unterirdisch. Wir haben nur noch verteidigt, hatten keinen Einfluss mehr auf das Spiel und haben den Gegner förmlich zum Toreschießen eingeladen. Darüber müssen wir selbstverständlich reden.“