Lippstadt – Leidenschaftlich war es, das hatte der SV Lippstadt seinen treuen Fans im Vorfeld auch so versprochen. Dass es am Ende im Oberliga-Klassiker gegen Eintracht Rheine nur zu einem 1:1-Unentschieden reichte, ist zum einen Pech, ein Stück weit aber auch Unvermögen.
Oberliga Westfalen
SV Lippstadt - FC Eintracht Rheine 1:1 (0:0)
Für Fatih Ufuk eröffnete sich in der 86. Minute die Riesenchance auf den Siegtreffer für Schwarz-Rot. Der Kapitän übernahm Verantwortung vom Elfmeterpunkt – und verschoss. So etwas kann passieren, tut in diesem Fall aber doppelt weh, weil die Hausherren die drei Punkte sehr gerne mitgenommen und tabellarisch auch dringend gebraucht hätten. Rheines Keeper Bräuer bügelte seinen Fehler – er hatte zuvor den eingewechselten Shayan Sadeghi im Strafraum unsanft zu Fall gebracht – wieder aus. So musste sich der SV Lippstadt am Ende tatsächlich mit der Punkteteilung begnügen.
Zumindest gab es an der Personalfront Positives zu vermelden, auch wenn Nico Böll, der eigentlich für die Startelf vorgesehen war, kurzfristig angeschlagen doch wieder raus rotierte. Ihn ersetzte wie schon beim 0:1 in Sprockhövel Mazlum Bulut, der ein sehr ordentliches Spiel im offensiveren Mittelfeld machte und sich immer wieder auch in die Lippstädter Angriffe mit einschaltete. Keeper Luca Beermann gab nach seiner Oberschenkelzerrung im Abschlusstraining grünes Licht. Zudem kehrten Kiyan Sadeghi und Louis Neugebauer in die Startelf zurück. Top-Torjäger Maximilian Franke wirkte zumindest in den letzten Minuten mit, als es darum ging, die drei Punkte doch noch irgendwie einzufahren.
Früher Schreckmoment
nach Latten-Kopfball
Bei fast frühlingshaften Abendtemperaturen in der Liebelt-Arena ging in der siebten Minute erstmals ein leichtes Raunen durch das weite Rund. Meyers Kopfball touchierte die Latte des Lippstädter Tores. Kurz darauf war für den Rheiner Kapitän Feierabend. Er verließ angeschlagen das Spielfeld. Der SV Lippstadt fand in der Folge immer besser ins Spiel. Die dicke, dicke Möglichkeit auf den Führungstreffer versemmelte aber Routinier Gerrit Kaiser, der in der 13. Minute Rheines Keeper Bräuer umkurvte, dann aber den auf der Linie stehenden Bollenberg anschoss. Lippstädter Reklamationen wegen eines vermeintlichen Handspiels verliefen im Sand. Und auch Kaisers zweite Hundertprozentige im ersten Abschnitt brachte aus Sicht der in Weiß gekleideten Lippstädter nicht den erhofften Erfolg (18.). Auf der Gegenseite hatten die Hausherren Glück, nicht durch Menzel in Rückstand zu geraten (28.). Es war eine ausgeglichene erste Hälfte – mit leichten spielerischen Vorteilen für Lippstadt.
Zu Beginn der zweiten 45 Minuten setzte dann leichter Regen ein. Der SV Lippstadt durfte in der 59. Minute schließlich das 1:0 bejubeln, als Abwehrrecke Lukas Wulf nach Muja-Ecke zur Stelle war. Eiskalt war sein Abschluss im gegnerischen Fünfer. Doch die Freude währte nicht lange. Nur vier Minuten später kamen die Gäste nach einem Missverständnis zwischen Keeper Beermann und Torschütze Wulf zum Ausgleich. Bitter und unnötig wie ein Kropf das 1:1. So sah es auch Cheftrainer Felix Bechtold am Spielfeldrand.
Diesen neuerlichen Rückschlag schüttelten die Lippstädter aber schnell wieder aus ihren Kleidern und hatten durch besagte Ufuk-Szene kurz vor Schluss es selbst in der Hand, den sechsten Saisonsieg einzutüten. Doch der Kapitän zeigte Nerven. Nach dem Schlusspfiff gab es nur auf Rheiner Seite zufriedene Gesichter. Logisch.
„Kein Vorwurf an unseren Elfmeterschützen“
Meinung von Sportdirektor Dirk Brökelmann (SV Lippstadt): „Die Mannschaft lebt, hat 90 Minuten alles auf dem Platz gelassen! Die Zuschauer haben ein rassiges Oberliga-Spiel gesehen. Die drei Punkte hätten wir am Ende natürlich gerne hierbehalten. Aber kein Vorwurf an unseren Elfmeterschützen Fatih Ufuk. So etwas kann passieren.“