Lippstadt – Hacken, kratzen, zupfen, Gras fressen! Nein, das ist keine taktische Vorgabe für rustikal agierende Fußballteams. Vielmehr sind es die Aufgaben (bis auf Letzteres) für die rüstige Rentnergruppe, die sich ehrenamtlich um die Sportanlagen des SV Lippstadt kümmert.
Gegen die sechs fleißigen Senioren ist kein (Un-) Kraut gewachsen. Wucherpflanzen haben rund um die Plätze am Bruchbaum keine Chance. Hacke, Spitze, eins, zwei, drei – das geht auch anders. „Ehrenamt ist wichtig!“, stellt Jörg Bäsler (72) gleich mal unmissverständlich klar. Zusammen mit Detlef Lieckfeldt (66), Dieter Ebert (77), Bernd Weber (68), Siegfried Schiefelbein (76) und Peter Zimmermann (77) bildet der frühere Sozialarbeiter die „schwarz-rote Rentnergruppe“. Die kümmert sich seit anderthalb Jahren dreimal in der Woche mit unermüdlichem Einsatz darum, dass an Sportanlagen beim SV Lippstadt alles tipp-top ist.
Peter Zimmermann robbt auf den Knien, kratzt an der Kunstrasen-Umrandung den Wildwuchs aus den Fugen. Derweil sammelt Dieter Ebert jede Menge Zigarettenstummel auf und entsorgt die Kippen fachgerecht. Es wird gezupft, geharkt und gefegt – montags, mittwochs und freitags. 13-, 14-mal im Monat, jeweils drei bis vier Stunden.
„Der SV Lippstadt ist ein Aushängeschild der Stadt. Wie würde das denn aussehen, wenn die Gäste kommen und hier an den Anlagen 30 Zentimeter hohes Unkraut wuchert?!“, empört sich Bäsler. Nein, das würde die schwarz-rote Rentnergruppe auf keinen Fall zulassen. „Es geht um die Außendarstellung des Vereins“, unterstreicht Siegfried Schiefelbein, der 1970 Mitglied bei Teutonia Lippstadt wurde. Alle sechs haben eine Verbindung zum SV 08, zum Lippstädter Fußball oder zum lokalen Fußball allgemein – waren Spieler, Trainer, Betreuer oder einfach nur Fans.
Langsam werden die Senioren zappelig. Man merkt, sie wollen möglichst schnell wieder an die Schippe. Ihr Tatendrang ist kaum zu bändigen. Manchmal kann die Arbeit auch unangenehm sein. Zum Beispiel, wenn sich die Senioren durch riesige „Unkraut-Plantagen“ mit fies stechenden Disteln kämpfen. „Die Stacheln gingen sogar durch die Handschuhe“, klagt Bernd Weber.
Ich habe 2000 Aufkleber von der Gästetribüne abgekratzt!Peter Zimmermann
Ich habe 2000 Aufkleber von der Gästetribüne abgekratzt!Peter Zimmermann
Ich habe 2000 Aufkleber von der Gästetribüne abgekratzt!
Peter Zimmermann
Aber es geht noch schlimmer: „Wir haben von der Gästetribüne 2000 Aufkleber entfernt“, stöhnt Peter Zimmermann, „ich habe alle gezählt. Jeden Einzelnen habe ich mühevoll abgekratzt!“ Einer von RW Ahlen hing besonders hoch. Kurz entschlossen erklomm Detlef Lieckfeldt die oberste Sprosse der Leiter und flammte den pappenden Schandfleck ab. Saubere Arbeit, aber auch gefährlich.
Wenn Spieltag ist beim SV Lippstadt, wollen 700 Zuschauer Spaß haben in der Liebelt-Arena, ein flottes Match erleben und zusammen feiern – und sie hinterlassen Spuren. Auch dann rückt die schwarz-rote Rentnergruppe an und schreitet zur Tat. Ihr Einsatz bleibt weitgehend unbemerkt, aber er ist zu sehen.
Der SV Lippstadt hat einen hauptamtlichen Platzwart, der sich um die Pflege des Rasens kümmert und die Spielflächen abkreidet. Das Drumherum erledigen dann die Freiwilligen im fortgeschrittenen Alter. „Wir wissen ja, das Geld ist knapp“, betont Jörg Bäsler, „wenn der Verein auch noch Landschaftsgärtner bezahlen müsste, würde der Etat vielleicht noch für zwölf Oberliga-Spieler reichen! Und da kommt er wieder, der Hinweis: „Das Ehrenamt ist so wichtig!“ Recht hat er.
Die sechs Rentner fühlen sich und ihre Arbeit wertgeschätzt. Darauf kommt es an. Deshalb ist es auch kein Problem, dass beispielsweise der gelernte Maler Detlef Lieckfeldt zwischendurch zum Pinsel greift und Torpfosten und Eckfahnen überstreicht. Kurz zurück zur Wertschätzung: „Zum Präsidium haben wir einen guten Draht. Ab und zu besucht uns der Vorstand hier auch mal“, sind sich alle einig. Neulich sind sie vom Jugendvorstand zum Grillen eingeladen worden. Außerdem haben sie freien Eintritt zu den Spielen des SV Lippstadt, inklusive Nutzung des VIP-Raumes. „Das machen wir aber selten“, schmunzelt Bäsler und klopft sich vielsagend auf die Arbeitshose. Und schon liegt er wieder auf den Knien und hackt...
Verstärkung gesucht
Die sechs Mitglieder der schwarz-roten Rentnergruppe sind nicht nur fleißig, sie bilden vor allem eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich aus Überzeugung ehrenamtlich engagiert. Aber Verstärkung kann ja bekanntlich nicht schaden. Wer also Lust und Zeit hat und sich der Hack- und Zupftruppe des SV Lippstadt anschließen möchte, kann dies gern tun. Infos bei Jörg Bäsler, Tel. (0160) 5870358.