SVL 08
Presse 18. Juli 2026

SV Lippstadt ein heißer Kandidat für den Regionalliga-Aufstieg

Jürgen Borgmeier ist Präsidiumsmitglied, Stadtionsprecher und Fan des SV Lippstadt in Personalunion. ﹘ Foto: Frank Lütkehaus
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Lippstadt – Er ist seit 50 Jahren Fan, seit 30 Jahren Stadionsprecher und seit vier Jahren Präsidiumsmitglied des Vereins: Jürgen Borgmeier (63) kennt den SV Lippstadt wie seine eigene Westentasche und weiß genau, was am Bruchbaum läuft. Wir sprachen mit ihm über die neue Saison.

Der SV Lippstadt ist dafür bekannt, dass der Verein mit einem relativ geringen Etat maximalen sportlichen Erfolg herausholt. Ist das Budget für die Saison 2026/27 erneut auf Kante genäht?

In den sechs Jahren Regionalliga hatten wir tatsächlich mit den niedrigsten Etat. Das ist richtig. In der Oberliga ist dies allerdings nicht so. Wir werden in der neuen Saison finanziell ähnlich aufgestellt sein, wie in der letzten, erfolgreichen Serie. Alle, die für uns Fußball spielen, machen das echt gerne und nehmen dafür weite Anreisen in Kauf. Beispiel Nico Böll: Der wohnt in Wuppertal und sagt ganz klar: „Es macht mir so viel Freude hier.“ Er könnte sich stattdessen auch einen Ober- oder Regionalligist in der Nähe suchen.

Legen Sie mal Zahlen auf den Tisch. In welcher Größenordnung bewegt sich der Etat des SV Lippstadt für die kommende Serie?

Wie gesagt, der Rahmen ist ähnlich wie im Vorjahr. Vielleicht ganz minimal weniger. Damit befinden wir uns im vernünftigen oberen Drittel der Liga. Fakt ist: Wir zahlen die Gehälter pünktlich. Seit ich dabei bin, ist es noch nie vorgekommen, dass ein Gehalt zu spät gezahlt worden ist. Die Jungs spielen hier eben nicht in erster Linie für viel Geld, aber dafür spielen sie beim SV Lippstadt für einen Verein, der sich in der Oberliga abhebt.

Aktuell umfasst der Kader 24 Akteure. Das Transferfenster schließt am 31. August. Sind trotzdem weitere Neuzugänge in der Pipeline?

Leider ist es so, dass sich Nils Köhler relativ schwer verletzt hat. Mit Bellal Afghanyar haben wir einen sehr jungen, talentierten U19-Bundesliga-Spieler von Arminia Bielefeld, einen Linksverteidiger, im Probetraining. Mit dem gesamten Präsidium muss jetzt abgeklärt werden, ob wir auf dieser Position noch etwas machen können.

Der Cheftrainer bewertet den Kader als noch nicht optimal und hätte gern noch ein, zwei Verstärkungen...

Es ist natürlich verständlich, dass sich Felix Bechtold über eine Erweiterung des Kaders freuen würde. Aber es gibt nun mal einen finanziellen Rahmen, der einzuhalten ist.

Die Mannschaft des SV Lippstadt ist quasi unverändert. Wie lautet das Saisonziel nach Platz vier in der letzten Serie?

Wenn wir weiter konzentriert arbeiten und jedes Spiel vernünftig angehen, sollte es schon ein Platz unter den ersten vier sein. Mein Wunsch ist es, dass wir Erster oder Zweiter werden, wobei es 2027 für den Oberliga-Meister keinen DFB-Pokal-Bonus gibt. Wir möchten ganz oben mitspielen. Natürlich kann man den Aufstieg nicht versprechen oder garantieren.

Das Kollektiv muss es im Angriff richten und die Tore schießen.

Spielen wir mal Trainer, wer soll es in der Offensive richten? Im Angriff hat es zuletzt ein wenig gehapert.

Das Kollektiv. Mit Gerrit Kaiser und Louis Neugebauer (beide waren langfristig verletzt; Anm. d. Red.) haben wir praktisch zwei Neuzugänge für den Angriff. Maximilian Franke ist topfit, Iker Kohl auch. Alle zusammen, das muss die Lösung für die Offensive sein. Zur Wahrheit gehört auch: Für eine Mannschaft, die ganz oben stand, hatten wir zuletzt tatsächlich nicht den Goalgetter, der 15 bis 20 Tore macht. Außerdem hatten wir Pech mit der Personalie Nico Tübing. Er war ein Riesengewinn für unseren Verein, hat sofort Impulse gesetzt, viele Treffer erzielt und sich dann im März einen Kreuzbandriss zugezogen.

Sie sind nah dran: Aus Ihrer Sicht, welcher Spieler macht den größten Leistungssprung?

Ich will den jungen Mann nicht unter Druck setzen, aber Tom Kocielnik gehört ganz sicher zu den Kandidaten. Auch Nico Böll ist ein Spieler mit Potenzial. Lukas Struck hat eine Riesenentwicklung genommen. Wir haben viele gute Jungs im Team mit guten Ansätzen. Alle sind vor allem auch zwischenmenschlich feine Leute.

Sie sind seit 30 Jahren Stadionsprecher und seit ewigen Zeiten Fan. Erzählen Sie mal, wie hat das alles angefangen?

Mein Opa hat mich 1972 zum ersten Mal mit zu Teutonia ans Waldschlößchen genommen, ich habe Peter Westen noch spielen sehen und war sofort Freund des Vereins.

Bei Borussia Lippstadt waren Sie nie im Stadion?

Klar, regelmäßig – wenn die gegen Teutonia gespielt haben...(lacht)...nein, auch so schon mal.

Und wie war das mit dem Stadionsprecher?

1997, im Jahr der Fusion, hat mich Franz Günther gefragt, ob ich das für eine Spielzeit übernehmen würde. Der SV Lippstadt hat damals in der Verbandsliga gespielt und ist als Zweiter hinter Eintracht Rheine in die Oberliga aufgestiegen. 800 Lippstädter Fans waren zum entscheidenden 1:0 beim SC Herford mitgereist. Das war meine erste Spielzeit als Stadionsprecher. Eine schöne Erinnerung.

Welche Spiele war für Sie die größten, die unvergesslichsten?

Ach, das waren so viele. Der erste Regionalliga-Aufstieg 2013 unter Daniel Farke. In der Saison haben wir im Halbfinale des Westfalenpokals gegen Arminia Bielefeld 2:4 verloren, sind aber trotzdem in den DFB-Pokal gekommen, weil Bielefeld in die 2. Liga aufgestiegen ist. Dann natürlich das Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen (1:6; Anm. d. Red.). Auch die Aufstiegsspiele zur NRW-Liga als Westfalenliga-Meister 2012 gegen Velbert fallen mir da ein. Das war sehr beeindruckend, obwohl wir zweimal knapp mit 1:2 verloren haben. Nicht zu vergessen natürlich der Regionalliga-Aufstieg 2018 mit dem 1:0 gegen Siegen in der ausverkauften Liebelt-Arena. Die Auswärtsspiele in Essen und Aachen. Oder die vier Freundschaftsspiele gegen Bayern München.

Wie sieht’s mit der eigenen Karriere als Fußballer aus?

Hm, als Jugendlicher habe ich mit den Nachbarjungen gekickt und gern im Tor gestanden. Aber mein sportliches Talent war eher im Tischtennis zu finden, wo ich es immerhin in die Jugend-Kreisauswahl geschafft habe.

Zurück zum SV Lippstadt, wie beurteilen Sie als Präsidiumsmitglied die Akzeptanz des Vereins in der Stadt?

Wir sind ein Verein, der in Zukunft von seiner exzellenten Jugendarbeit profitieren muss. Nur das kann der Weg sein. Wir müssen unsere besten Jugendlichen an die 1. Mannschaft binden. Diesbezüglich sehe ich uns gut aufgestellt. Die Fanszene des SV Lippstadt ist gut. Sie wird immer größer. Auch die möchte dazu beitragen, dass sich die Akzeptanz in Lippstadt verbessert. Natürlich sind wir ein Verein, der polarisiert. Wir als SV Lippstadt, insbesondere unsere Jugendabteilung, ist selbstverständlich weiterhin an einer guten Zusammenarbeit und einem guten Miteinander mit den Nachbarvereinen interessiert. Ich glaube, je mehr zur Kenntnis genommen wird, dass viele Jugendliche den Sprung schaffen und auch bei uns bleiben, verbessert unser Außenbild. Aber es stimmt, perfekt ist dies nicht.

700 oder 800. Das wäre ein guter Zuschauerschnitt.

Hat der SV Lippstadt ein Imageproblem?

Wir haben unter den bekannten Bedingungen sechs Jahre durchgängig in der Regionalliga gespielt. Da könnte der fußballbegeisterte Lippstädter ja sagen: Das unterstütze ich gerne. Ich habe hier viele hochklassige Spiele gesehen. Aber das kann man nicht erzwingen. Wir vom Präsidium, die sportliche Leitung und auch die Spieler, wir wollen mit allen Mitteln dazu beitragen, dass sich unser Ruf, unser Image in Lippstadt dauerhaft verbessert.

Was wünschen Sie sich für den SV Lippstadt?

Dass wir guten und erfolgreichen Fußball spielen und dass dieser entsprechend angenommen wird. Eben, dass sich unsere Zuschauerzahlen weiter auf gutem Niveau bewegen und wir eine gute Saison spielen.

Was bedeutet eine Zuschauerzahl auf gutem Niveau?

Ein Schnitt von 700 bis 800. Wir hatten letztes Jahr zwei Ausreißer mit RW Ahlen und SG Wattenscheid mit jeweils 1.500 Besuchern. Diese Vereine sind jetzt nicht mehr dabei und fehlen der Oberliga. Mal kurz was anderes, das ist mir wichtig: Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich Helmut Friedrich und Thilo Altmann danken, die den Verein mit ihrer überragenden Unterstützung im Besonderen prägen – und natürlich allen Ehrenamtlichen. Wirklich allen.

Allerletzte Frage: Wann werden die 2027 auslaufenden Verträge von Dirk Brökelmann und Felix Bechtold verlängert?

Das ist Aufgabe des Präsidiums. Wir werden uns in Kürze treffen und austauschen. Klar ist: Wir sind mit der Arbeit der beiden und des ganzen Teams sehr, sehr einverstanden.

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