Lippstadt - Westfalia Rhynern und der die SG Wattenscheid machten gestern am vorletzten Spieltag den Regionalliga-Aufstieg perfekt. Der SV Lippstadt reiht sich nach dem 1:3 im letzten Heimspiel gegen Münster auf Rang vier ein und wird dort auch bleiben.
Oberliga Westfalen
SV Lippstadt - Preußen Münster II 1:3 (1:0)
Ein Sommerkick ohne Happy End. Das wäre wohl eine eher harmlose Beschreibung für das letzte Heimspiel des SV Lippstadt in dieser Saison. Nach einer guten Vorstellung im ersten Durchgang und einer 1:0-Führung ließen es die Schwarz-Roten nach dem Wechsel aus unerklärlichen Gründen schleifen und fingen sich einer 1:3-Niederlage ein. Bei hochsommerlichen Temperaturen löste sich die Abwehr der Gastgeber förmlich auf. Innerhalb von sechs Minuten erzielten die Gäste drei blitzsaubere, allerdings auch einfache Tore und sorgten für einen kräftigen Stimmungsdämpfer in der Liebelt-Arena.
Lippstadt Cheftrainer Bechtold war nach Abpfiff stinksauer und nahm sich seine Jungs richtig zur Brust. „Ich verstehe das nicht“, polterte der 35-Jährige, „wir reißen uns die ganze Zeit den Hintern auf – und dann das!“ Viele Zuschauer hatten in der zweiten Hälfte den Eindruck, als würden sich die Gastgeber ihrem Schicksal wehrlos ergeben.
Dabei begann der SV ohne den erkrankten Kohl richtig gut und hatte vor der Pause alles im Griff. Die Schwarz-Roten erspielten sich zahlreiche Torchancen und erfreuten ihre Fans mit erfrischendem Offensiv-Fußball. Böll (17.) und Muja (18.) versuchten es zunächst aus der Distanz, dann klingelte es relativ schnell im Preußen-Kasten. Böll hatte sich schön an der Torauslinie durchgesetzt, dessen Hereingabe wurde mehrfach abgefälscht und landete schließlich auf dem Kopf von Muja, der keine große Mühe hatte, den Ball zum 1:0 (23.) einzudrücken. Weitere gute Gelegenheiten von Kocielnik (38.), Böll (41.) und Franke (45.) unterstrichen die Überlegenheit des Spielvereins. Münster wurde nur einmal halbwegs gefährlich, ebenfalls durch einen Distanzschuss von Leiter (38.).
Die Lippstädter Fans gingen gut gelaunt in die Pause, aber innerhalb von sechs Minuten war die Stimmung dahin. Das 1:1 (55.) für Münster durch Demirhan fiel buchstäblich wie aus dem heiteren Himmel. Offenbar hatten die Sver noch gar nicht gemerkt, was los war, da stand es schon 1:2. Erneut war Demirhan (59.) der Torschütze. In der Abwehr der Gastgeber machten sich erste Auflösungserscheinungen bemerkbar. Praktisch ohne Gegenwehr ließen die „Verteidiger“ das Team aus Münster jetzt schalten und walten. Die Preußen bedankten sich zügig mit dem 1:3 (61.). Völlig alleingelassen lief Evers auf der rechten Seite durch und chippte den Ball locker über Keeper Beermann hinweg ins Netz. „Das kann ich auch“, dachte sich offenbar Münsters Varelmann, rannte ungehindert über die gesamte Länge des Platzes und hätte fast das 1:4 erzielt.
Man muss es so krass formulieren: In dieser Phase hieß es: schwach, schwächer, SV Lippstadt! Der Auftritt drohte jetzt peinlich zu werden, aber Ufuk und Co. fingen sich wieder. Zumindest ein bisschen. Neugebauer (76.) und Ufuk selbst (83.) waren nah dran am Anschlusstreffer, aber auch die Preußen besaßen noch eine gute Kopfballchance (90.) durch ihren Matchwinner Demirhan.
Nächsten Sonntag geht’s für den SV Lippstadt zum letzten Meisterschaftsspiel nach Wattenscheid. Die Gastgeber kämpfen noch um die Meisterschaft (und ein gutes Torverhältnis). In der Form von gestern dürfen sich die Schwarz-Roten in der Lohrheide auf keinen Fall präsentieren.
Trainerstimme
Felix Bechtold (SV Lippstadt) war nach dem Spiel stinksauer: „Das kann einfach nicht sein, was hier heute passiert ist. Wir haben einen sicher geglaubten Sieg leichtfertig aus der Hand gegeben. Wir haben es dem Gegner zu leicht gemacht. In der zweiten Halbzeit ist die Abwehr völlig aus den Fugen geraten. Wir haben viele Dinge besprochen, die wir nicht umgesetzt haben. Mit einem Sieg hätten wir den Schwung mit in die neue Saison nehmen können und vielleicht noch Platz drei erreicht. Ich verstehe das nicht. Wir reißen uns die ganze Zeit den Hintern auf – und dann so was! Genau das sind die Körner, die uns am Ende fehlen.“